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Allergie: Das Immunsystem läuft Amok

Unser Immunsystem ist der „Bodyguard“ unseres Körpers und hat die Aufgabe vor Fremdstoffen, wie Viren, Keimen und Erregern zu schützen. Beim Allergiker bekämpft es Substanzen, die für den gesunden Menschen überhaupt keine Bedrohung darstellen. Der Körper reagiert auf das an sich harmlose Insektengift wie auf einen gefährlichen Krankheitserreger. Das Resultat dieser Abwehrreaktionen sind Juckreiz, Haut- und Schleimhautrötungen, Schwellungen, Nesselsucht, Atmnot bis hin zu einem Kreislaufkollaps (anaphylaktischer Schock), der im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

Für die Entwicklung einer Allergie ist das Gedächtnis des Immunsystems von Bedeutung: Ist es einmal zu einer Immunreaktion durch Insektengift gekommen, so sind die Abwehrkräfte darauf sensibilisiert. Bei erneutem Kontakt mit dem Gift tritt die Reaktion wieder auf, wobei sich die Symptome von Mal zu Mal verschlimmern können. Es kann allerdings auch bereits der zweite Stich fatale Folgen haben. Schätzungsweise 1-5% der Menschen in Europa reagieren allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche.

Kleiner Stich mit schweren Folgen

Im Gift einiger Insekten sind potenzielle Allergie-Auslöser (Allergene) enthalten. In Europa sind das in erster Linie Bienen oder Wespen, jedoch können auch Hornissen oder Hummeln gefährlich für Allergiker werden. In den Tropen und in Amerika kommen auch Ameisenarten vor, deren Gift mit dem unserer Wespen vergleichbar ist. Die Allergie auf Insektengift ist besonders problematisch, weil das Gift beim Stich in den Körper injiziert wird und dadurch schnell und direkt ins Blut gelangt. Daher kann es bei der Insektengiftallergie auch zu lebensbedrohlichen Reaktionen kommen; dafür reichen bereits kleinste Mengen aus – ein einziger Stich genügt. Alljährlich sterben in Europa rund 200 Menschen an allergischen Reaktionen auf Bienen- oder Wespenstiche, Tausende landen in der Notfall-Ambulanz. Um kein unnötiges Risiko einzugehen, ist es ganz wesentlich, bereits erste Warnsignale ernst zu nehmen und bei Verdacht einen auf Allergien spezialisierten Arzt um Rat zu fragen.

OA Priv.-Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl: Lebensgefährliche Insektengiftallergie


Was im Körper genau passiert

Eine zentrale Rolle im Rahmen der allergischen Reaktion spielen die sogenannten IgE-Antikörper im Blut der Erkrankten. Antikörper sind Abwehrproteine, die mit den an sich harmlosen Molekülen (Allergene) im Insektengift reagieren. Bei einem einzigen Wespenstich gelangen etwa 5.000 dieser Moleküle in den Organismus. Kommen Allergen und Antikörper zusammen, so lösen sie eine Kaskade von biologischen Reaktionen aus.

Beim ersten Kontakt kommt es zur Sensibilisierung gegen ein Allergen (im Falle der Insektengiftallergie also durch einen Bienen- oder Wespenstich) und es werden vermehrt Antikörper produziert, die gegen dieses Allergen gerichtet sind. Diese spezifischen Antikörper setzen sich auf Zellen in Haut, Schleimhaut und anderen Organen (sogenannten Mastzellen) ab und haben die Funktion kleiner chemischer Fabriken: Sie produzieren Botenstoffe, die für Abwehrreaktionen wichtig sind. Durch die Antikörper werden die Mastzellen sozusagen auf das Allergen scharf gemacht. Gelangt durch einen weiteren Stich wieder Gift in den Körper, verbinden sich die Allergene im Insektengift mit den Antikörpern und aktivieren die Mastzellen. Diese geben ihre Abwehr-Botenstoffe (v.a. Histamin) ins Blut oder Gewebe ab. Durch diesen Vorgang, der innerhalb von Sekunden abläuft, werden die Symptome ausgelöst.

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