Expertenrat Krankenschwester

Deutschland

Prof. Dr. med. Bernhard Przybilla

Ludwig-Maximilian-Universität, München
Oberarzt und Allergologe an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie

"Bei Mastozytose und Insektengiftallergie ist das Risiko für eine lebensbedrohliche Anaphylaxie besonders hoch - etwa 80 Prozent der allergischen Reaktionen sind hier schwer oder sehr schwer, d.h. es kommt zum Allergieschock oder zum Herz-Kreislaufstillstand. Auch diese Patienten können durch spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) vor erneuten Reaktionen geschützt werden. Ein großes Problem ist die Unterversorgung der Insektengiftallergiker, höchstens 10 Prozent erhalten eine leitliniengerechte Behandlung - bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung erschreckend."

Prof. Dr. Thomas Fuchs

Universitätsmedizin Göttingen
Oberarzt der Abt. Dermatologie und Venerologie

"Es gibt zwei Möglichkeiten, sich vor den Folgen einer Insektengiftallergie zu schützen: Zum einen sollte man die gefährlichen Insekten meiden, zum anderen eine Allergie-Impfung durchführen. Insektenstiche zu vermeiden ist nur schwer möglich - wirklich sicher vor einem Bienen- oder Wespenstich ist niemand. Deshalb rate ich dringend zu einer Allergie-Impfung mit standardisierten Insektengift-Präparaten. Der Erfolg dieser Therapie macht sich schon nach kurzer Behandlungsdauer bemerkbar. Die allergische Reaktion nach einem Insektenstich wird deutlich schwächer. Dennoch ist eine Langzeitbehandlung über drei bis fünf Jahre mit jeweils einer Injektion alle vier bis sechs Wochen sehr wichtig. Fast sämtliche so behandelten Patientinnen und Patienten sind dann geschützt. Bedauerlicherweise kommt für viele Insektengift-Allergiker diese einzig wirksame und lebensrettende Therapie zu spät. Denn sie haben diese Behandlungsmöglichkeit nicht gekannt."

Österreich

Assoz.Prof. Dr. Gunter Sturm

Allergieambulatorium am Reumannplatz, Wien
Facharzt für Dermatologie, Stv. Leiter

Die Immuntherapie mit Bienen- und Wespengift ist die wirksamste Therapie im Bereich der Allergologie. Schon mit der Standarddosis erreicht man bei bis zu 95% der Betroffenen einen vollen Schutz vor weiteren allergischen Reaktionen. Alles, was man als Patient tun muss, ist Zeit in die Therapie zu investieren, denn die Immuntherapie wird in Österreich komplett von den Krankenkassen übernommen. Da allerdings die tagesklinischen und stationären Kapazitäten immer mehr reduziert werden, muss in Zukunft vermehrt in die Forschung für kürzere ambulante Therapieprotokolle investiert werden, um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen.

Ass.-Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl

Floridsdorfer Allergiezentrum, Wien
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

„Nur ein Bruchteil der von einer Bienen- oder Wespengiftallergie betroffenen Patienten sucht Hilfe bei einem Allergologen. Das ist sehr leichtsinnig, denn die Patienten setzen sich dadurch Sommer für Sommer einer akuten Lebensgefahr aus. Viele Patienten wissen nicht über die gute Behandelbarkeit einer Insektengiftallergie Bescheid. Mit einer fachärztlich durchgeführten Immuntherapie erreicht fast jeder Patient einen ausreichenden Schutz – und kann somit sicher vor schweren allergischen Reaktionen bewahrt werden. Durch Studien konnte belegt werden, dass dieses Gefühl der Sicherheit ganz wesentlich die Lebensqualität der Patienten verbessert. Mein Appell deshalb: Gehen Sie kein unnötiges Risiko ein und nehmen Sie sich Zeit für die Behandlung!“

Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Hemmer

Floridsdorfer Allergiezentrum, Wien
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Der ideale Zeitpunkt die Diagnose beim Facharzt durchführen zu lassen, ist vier Wochen nach dem Stichereignis. Unmittelbar nach dem Stich können die Testergebnisse falsch-negativ ausfallen. Viele Patienten kommen aber – wenn überhaupt – erst Jahre später. Zwar lässt sich eine Sensibilisierung mittels Haut- und Bluttest meist noch nach Jahren erfolgreich nachweisen, doch die Patienten gehen mit jedem Sommer der vergeht, das Risiko eines weiteren Stiches und somit einer schweren allergischen Reaktion ein.

Univ.-Prof. Dr. Eva-Maria Varga

Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Graz
Klinische Abteilung für Pulmonologie und Allergologie

„Bei Kindern sind Todesfälle durch eine Insektengiftallergie sehr selten. Dennoch müssen Symptome ernst genommen werden. In spezialisierten Zentren in Spitälern und Ambulatorien können allergiekranke Kinder ab dem 5. Lebensjahr – wenn nötig auch früher – mit einer Immuntherapie behandelt werden. Mein dringender Rat für Eltern ist außerdem, ihren Kindern zu erklären wie sie das Risiko eines Insektenstichs minimieren können sowie das Betreuungsumfeld über die Allergie und das richtige Verhalten im Ernstfall zu informieren.“

OA Dr. Rainer Schmid

Wilhelminenspital, Wien
Toxikologische Intensivstation, Österreichischer Rat für Wiederbelebung (ARC)

„Richtiges und rasches Handeln kann bei einem allergischen Notfall lebensrettend sein. Es ist daher für Allergiker und deren Umfeld besonders wichtig, die ersten Anzeichen einer sogenannten anaphylaktischen oder Allgemeinreaktion zu kennen. Erste Hilfe-Maßnahmen und die richtige Verabreichung der Medikamente des Notfall-Sets müssen daher geschult und immer wieder trainiert werden, sodass auch in der Extremsituation jeder Handgriff sitzt. Vor allem bei Kindern sollten nicht nur Eltern, sondern auch Kindergärtner, Lehrer, Aufsichtspersonen etc. eine Schulung für Notfall-Maßnahmen bei einer Anaphylaxie erhalten.“

Schweiz

Prof. Dr. med. Arthur Helbling

Universitätsspital Bern
Leiter der Allergiestation, Spital Netz Bern Ziegler Leitender Arzt Allergologisch-Immunologische Poliklinik, Inselspital,

„In der Schweiz wird die Gefahr von Insektengiftallergien unterschätzt. 2-5% der Bevölkerung leiden nach einem Bienen- oder Wespenstich an einer Allgemeinreaktion mit Nesselausschlag, Gesichtsschwellung, Atemnot, Blutdruckabfall oder einem Schock. Im Extremfall kann ein einziger Stich tödlich sein – pro Jahr sterben in der Schweiz 3-4 Personen daran. Die spezifische Immuntherapie (Desensibilisierung) mit Bienen- oder Wespengift ist die wirksamste Therapie. Viele Patienten kämpfen immer wieder mit allergischen Reaktionen und wissen nicht, dass es eine Behandlung dagegen gibt. Wenn Sie davon betroffen sind, lassen Sie sich vom Allergologen abklären und beraten!“

Prof. Dr. Peter Schmid-Grendelmeier

Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich
Leiter der Allergiestation

„Bienen- und Wespenstiche – für die einen eine lästige Nebenerscheinung beim Sonnenbaden oder gemütlichen Picknick im Freien – für Allergiker eine teils gar lebensgefährliche Situation: innert Minuten können neben Nesselfieber und Schwellungen, Asthmaanfälle oder gar ein Kreislaufzusammenbruch auftreten. Das muss nicht sein: gerade hochgradig allergische Patienten sind mit der Immuntherapie sehr wirkungsvoll geschützt. Schon nach der meist nur 4-5 Stunden dauernden Einleitung, ist eine gewisse Schutzwirkung vorhanden. Durch eine Erhaltung, die sich über mehrere Jahre erstreckt, wird bei über 90% der Patienten ein vollständiger und meist lebenslang anhaltender Schutz erreicht. Bei leichteren allergischen Symptomen reichen oft Notfall-Medikamente in Tablettenform aus.Bei Beschwerden, die nach einem Stich über eine handtellergrosse Schwellung hinausgehen, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. In vielen Fällen reicht schon ein einfacher Bluttest beim Hausarzt, um eine allfällige Bienen- oder Wespengiftallergie nachzuweisen. Bei Symptomen wie Atemnot, Schwindel oder Kollaps ist eine Abklärung bei einem Allergiespezialisten sinnvoll, der den Einsatz der Immuntherapie prüft."